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29.11.2004 – Kreditversorgung: Wackelt jetzt der berühmte § 18 KWG ?

Offensichtlich auf Druck der Politik denkt die halbstaatliche KfW über völlig neue Wege nach, endlich auch den nicht so guten Mittelstand mit Krediten zu versorgen.

„Kreditfabriken“ heißt das schon länger diskutierte aber leider noch nicht umgesetzte Finanzierungskonzept, um insbesondere auch die bonitätsmäßig nicht so gut gerateten Unternehmen mit lebensnotwendigem Money zu versorgen. „Denn auch die gehören zum Rückgrat unserer Wirtschaft“ sagt Hans W. Reich, Chef der KfW-Bankengruppe in einem längeren Interview mit dem HANDELSBLATT.

Reich äußert sich dabei detailliert über die schleppende Darlehensvergabe der Banken vor allem an kleinere Mittelständler, die Vorbereitungen zur Gründung einer Kreditfabrik und über die Kooperation mit den Banken zur Umsetzung des Konzeptes. Die KfW selbst ist und bleibt auch zukünftig nur im Hintergrund, Kreditanträge laufen auch zukünftig über die Geschäftsbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Selbst alte Zöpfe bleiben da nicht ungeschoren. Hier ein Auszug aus dem längeren Interview.

Handelsblatt: Sie denken wieder an die Schaffung einer Kreditfabrik. Ist der Zeitpunkt gekommen, das Projekt mit Nachdruck anzugehen ?

Reich: Das Wort Kreditfabrik ist als Schlagwort in aller Munde. Was sich dahinter verbirgt - und worum es mir geht - ist die Standardisierung von Krediten und deren Prozesse und die damit verbundene Kostensenkung. Das anzugehen ist in der Tat überfällig. Wir wollen den kleinen Mittelstand wieder in die Lage versetzen, Kredite zu bekommen. Seine Probleme werden doch immer schlimmer. Wir können also nicht mehr lange warten. Es geht mir allerdings nicht darum, dass die KfW dies macht, oder dass die KfW eine solche Kreditfabrik gründet. Es geht um die Lösung des Problems. Wir sind dabei zu allen erdenklichen Kooperationen mit den verschiedenen Bereichen der Kreditwirtschaft bereit.

.......

Handelsblatt: Wie soll denn die Kreditfabrik genau aussehen, die inzwischen mit einem fünfköpfigen Projektteam in der KfW vorangetrieben wird ?

Reich: Eine Kreditfabrik ist eine Verarbeitungseinheit, die Kreditanfragen von Banken, Sparkassen oder Volksbanken erfasst, analysiert und dann über Zusage oder Ablehnung entscheidet. Dort werden die Kredite sozusagen „von der Stange“ produziert. Sie soll nicht selbst Kredite vergeben. Das machen die Banken vor Ort, die eine Provision dafür erhalten, dass sie aus einem vorgegebenen Katalog hoch standardisierte Kredite verkaufen. Hinter der Kreditfabrik muss eine Portfoliobank stehen, die die Kredite bündelt und daraus Produkte entwickelt, die wieder an den Kapitalmärkten verkauft werden können. Wer z.B. eine eher regionale oder branchenbezogene - z.B. einseitig im Maschinenbau - Risikokonzentration hat, kann dann durch den Zukauf anderer Risikogruppen - z.B. Energie oder Landwirschaft - eine Verbesserung seines Portfolios durch Differenzierung erwirken. Das ist ein bisher nicht existenter, einzigartiger Kreislauf, von dem am Ende Banken und Mittelständler profitieren können.

Handelsblatt: Was bringt das dem Mittelständler ?

Reich: Der geschilderte Kreislauf führt dazu, dass das Interesse der Banken, dem Mittelstand Kredit zu gewähren, wieder steigt. Der Kredit wird billiger produziert und die Banken müssen die Risiken nicht mehr in die eigenen Bücher nehmen, sondern kaufen sich später Kreditportfolios ihrer Wahl für ihr eigenes Zinsgeschäft. Im Idealfall geht der Mittelständler dann in die Bank und sucht sich aus einem Katalog den passenden Kredit heraus. Wenn er die Unterlagen für die Bonitätsbeurteilung und die Sicherheiten schon dabei hat, kann es ganz schnell gehen. Dann kommt nach dem Antrag am Vormittag theoretisch die Zusage noch vor Schalterschluss.“


Weg mit alten Zöpfen!
Fällt gar der berühmte Paragraph 18 des Kreditwesengesetzes ???

Auch hierzu wird der KfW-Chef deutlich:


Handelsblatt: Wird der Teufel nicht wieder im Detail stecken, in Steuerfragen oder in Bestimmungen ?

Reich: Das Projekt ist politisch gewollt. Wenn wir das Kreditwesengesetz an einigen Stellen ändern müssen, dann wird das sicher möglich sein. Da gibt es etwa den Paragraf 18, der bei Banken zu einem aufwändigen Kreditprozess für Adressrisiken von mehr als 250 000 Euro führt. Wenn es hier Anpassungsbedarf in der Höhe gibt, dann werden wir mit dem Bund reden. An diesem Beispiel sehen Sie auch die Rolle der KfW: wir beraten den Bund auch in regulatorischen Fragen, die er zugunsten des Mittelstands verändern muss.“


Mittelstand muss sich öffnen, dann kommen die Banken wieder zurück


Handelsblatt: Was muss man als Mittelständler selber machen, um besser dazustehen ?

Reich: Die Botschaft lautet: Der Mittelstand muss sich stärker am Kapitalmarkt ausrichten. Der wird in Zukunft der Maßstab sein. Gefordert sind Transparenz in höchstem Maß sowie zeitlich schnell verfüg- und belastbare Daten der Firmen. Ganz wichtig ist auch, dass er sich stärker mit der Unternehmensnachfolge, Managementfragen, Controlling und Rechnungswesen befasst. Auch beratende Berufe wie die Steuerberater werden sich darauf einstellen müssen.

Handelsblatt: Kommen die Banken dann zum Mittelstand zurück ?

Reich: Aber ja, die Banken wenden sich schon jetzt dem Mittelstand wieder zu. Das wird auch künftig so ein, das ist doch eine viel zu wichtige Klientel.“



Quelle: Handelsblatt vom 29.11.2004

www.handelsblatt.de

Das gesamte Interview finden Sie auf www.handelsbatt.de
unter der Rubrik „Mittelstand“.

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