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15.03.2004 - Mezzanine-Finanzierung: Der große Bluff

Zur idealen Korrektur ihrer Eigenkapitalschwäche wird unseren mittelständischen Unternehmen derzeit immer wieder als Zaubertrunk die sog. Mezzanine-Finanzierung angepriesen. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Gebräu für die meisten Mittelständler als ziemlich bitter.

Die Argumente laute meist wie folgt:

Wegen Basel II drehen die Banken insbesondere den Klein- und Mittelbetrieben zunehmend den Geldhahn zu, vor allem weil unsere KMU’s die sattsam bekannte Eigenkapitalschwäche aufweisen. Folge ist die vielfach beklagte Kreditklemme.

Aber wo viel Dunkelheit herrscht, scheint auch irgendwo ein Licht. Und der helle Strahl ist die Mezzanine –Finanzierung. Als nachrangiges Kapital ist sie formalrechtlich zwischen Eigen- und Fremdkapital angesiedelt und verbessert so die Eigenkapitalquote der Bilanz. Und schon machen die Banken die Zapfsäule wieder auf...

Das Märchen wird noch schöner: Keine Stellung von Sicherheiten nötig ! So posaunen es die Propagandisten ganz uneigennützig laut heraus, damit es auch der letzte Mittelständler nicht überhören kann.

Der und seine Kollegen müssten jetzt eigentlich vor Freude in die Luft springen. Denn das was da so toll klingt entspricht ja genau dem, was unsere Mittelständler dringender denn je benötigen:

> Stärkung der Eigenkapitalquote
> Begünstigung des strategischen Liquiditätsmanagements
> Maßgeschneiderte Finanzierung
> Berücksichtigung individueller Unternehmensstrategien
> Beibehalten der völligen unternehmerischen Freiheit
> Völlig risikolos, da keine Sicherheiten nötig
> Ideal für Unternehmen an, die ein hohes Wachstumspotenzial haben.
> Ideal für Projekte mit anfangs hohem Investitionsbedarf und erst spät einsetzenden Erträgen


Spätestens jetzt ist der deutsche Mittelständler im Paradies angekommen. Man sieht sie schon alle am Investieren, neue Maschinen und Anlagen werden gekauft, der Konjunktur-Motor springt an, die Arbeitslosenzahlen gehen endlich runter, die Steuer-Einnahmen des Staates sprudeln wieder, endlich können unsere schönen sozialen Sicherungssysteme wieder finanziert werden, endlich können wir auf die bösen Nebenwirkungen der Reformpolitik verzichten, Schröder kann seine Agenda wieder einmotten, wie viele Genossen und Gewerkschaftler schon fordern.

Alles wird gut!

Vorsicht! Aufwachen!

Der schöne Traum hat ein böses Erwachen zur Folge. Leider hat das neue Finanzierungsparadies einen klitzekleinen dunklen Flecken.

Zitieren wir dazu aus dem Internet-Portal http://www.basel-ii.info/artikel62.html:

„Je nach Wahl des Mezzanine-Instruments muss man jedoch mit deutlich höheren Zinsen rechnen. Denn das erhöhte Risiko des Kapitalgebers wird er durch eine erhöhte Renditeerwartung kompensieren. Bei einer stillen Beteiligung ist eine Verzinsung von 7 - 15 %, in manchen Fällen sogar bis 20 %, der Regelfall. Sie liegt also über dem, was ein Investitionskredit kostet.“

So ist das also mit der schönen Fee Mezzanine aus dem Paradies.

Frisches Kapital mit Zinssätzen deutlich über zehn Prozent – „in manchen Fällen sogar bis 20 %“ ! - ist genau das, was unsere Betriebe derzeit dringend benötigen. Das passt auf alle Anstrengungen unserer Notenbanken, den Zins möglichst niedrig zu halten, um die Konjunktur nicht endgültig abzuwürgen, wie die Faust aufs Auge. Sowohl in den USA wie in Europa liegen die Zinsen derzeit historisch auf Niedrigstniveau! Mag der Zusammenhang zwischen niedrigen Zinsen und anspringender Konjunktur leider auch nicht mehr so ablaufen wie im volkswirtschaftlichen Lehrbuch beschrieben, so werden hohe Zinsen als Konjunkturmotor von keinem ernst zu nehmenden Ökonomen propagiert.

Das ganze Mezzanine-Spektakel entpuppt sich bei näherem Hinsehen als völlig an unserer Problemlage vorbei. Neben den abartig hohen Zinsen stimmt das Argument der fehlenden Sicherheiten auch nicht in allen Fällen. Nicht wenige Kapitalgeber nehmen den Inhaber persönlich in die Pflicht. Dann dient sein Häuschen doch wieder als Sicherheit.

Warum sich auch der Staat bei diesem unseriösen Spiel mit seinen Förderbanken indirekt beteiligt liegt auf der Hand. Es ist das schlechte Gewissen seiner Politiker. Denn die niedrige Eigenkapitalquote unserer Unternehmen beruht primär auf den steuerlichen Rahmenbedingungen der letzten Jahrzehnte und auf den darauf abzielenden Gegenstrategien unserer Unternehmen. Motto: Möglichst raus mit dem Eigenkapitalkapital! Der Steuerberater war gut, der hier richtig klotzte.


Was ist zu tun ?


Die geringe Eigenkapitalquote unserer Unternehmen kann kurz- und mittelfristig nicht grundlegend verbessert werden. Nötig wären dafür ausschließlich nachhaltige Gewinne für einen längeren Zeitraum und eine geringere Steuerbelastung. Während sich bei den Steuern immerhin etwas in die richtige Richtung bewegt, stehen einer nachhaltigen Gewinnentwicklung die schwachen konjunkturellen Aussichten entgegen. Wie jedes Jahr üblich rudern die namhaften Institute bei ihren Prognosen bereits kräftig zurück.

Der vielfach propagierte Rückzug der Banken aus dem Firmenkundengeschäft trifft pauschal so nicht zu. Ganz im Gegenteil gibt es auch von den großen Geschäftsbanken – mit einer Ausnahme – eindeutige Signale, sich wieder verstärkt der Finanzierung mittelständischer Betriebe zu widmen. Wahrscheinlich haben die cleveren Bankstrategen endlich gecheckt, dass das lukrative Privatkundengeschäft in der Breite nur im Kontext mit der Finanzierung insbesondere inhabergeführter Betriebe funktionieren kann.

Das klassische Bankdarlehen zu marktüblichen (!) Zinsen steht hierzulande vor seiner Renaissance. Doch Firmen, die keine Gewinne ausweisen, werden zukünftig nicht mehr zum Zug kommen. Mit Basel II hat das nichts zu tun, hier hat es insbesondere für die Kleinen sogar erhebliche Verbesserungen gegeben. Diese Hysterie sollte endgültig beendet werden.

Und die öffentlichen Fördermittel ? Die Programme und ihre Konditionen sind keineswegs schlecht, nur scheitern sie daran, dass die Mittel nicht abgerufen werden, weil die Banken sie nicht durchreichen. Die Banken wiederum machen das – von Ausnahmen abgesehen – nicht willkürlich, sondern weil sie angesichts des ihnen verbleibenden Risikos bei diesen Krediten zu wenig verdienen. Das ist objektiv so. Man kann darüber trefflich schimpfen, doch ändern wird sich daran erst etwas, wenn auch hier die Banken mitspielen können. Wenn es die Minister Clement, Wiesheu und Co. wirklich ernst meinen mit ihrer lauthals propagierten Unterstützung unserer mittelständischen Betriebe, dann müssen sie bei ihren Mittelstands-Programmen (KfW, LfA etc.) so nachbessern, dass die Programme endlich ins Laufen kommen. Am fehlenden Geld liegt es nicht.


Hände weg vor allen Bilanz-Tricks !


Zurück zur Mezzanine-Finanzierung. Eines der hier immer wiedervorgebrachten Argumente ist die automatische Verbesserung der Eigenkapitalquote (siehe oben). Doch das ist ähnlich wie bei der Finanzierungsalternative Leasing zu Fremdkrediten. Auch hier verbessert sich infolge der Bilanzverkürzung „automatisch“ die Eigenkapitalquote. Das EK wird zwar nicht mehr, doch sein Anteilt steigt.

Vor all diesen Bilanz-Tricksereien sei nachhaltig gewarnt ! Jeder professionelle Analyst durchschaut sofort dieses dümmliche Spiel. Für die Bilanzaufstellung gelten immer noch – HGB, IAS, US-GAAP hin oder her – immer noch die klassischen Grundsätze der Bilanzwahrheit und –klarheit.

Mittelständische Unternehmen sollten daher strikt gewinnorientiert arbeiten, und diese Gewinne auch bilanzieren. Nur so stärken sie nachhaltig ihre wahre Eigenkapitalquote. Und je besser ihnen dies gelingt, umso eher werden Banken bereit sein, bei der Finanzierung zur Seite stehen. Mit klassischen Darlehen und Betriebsmittelkrediten zu marktüblichen Bedingungen.

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