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1.1.2006 - Studie: Kein Ende der Pleitewelle

Sinkende Unternehmensinsolvenzen werden derzeit gemeldet. Doch eine Untersuchung von Euler Hermes kommt zu ganz anderen Ergebnissen.

Nach einer Schätzung von Deutschlands führendem Kreditversicherer (Allianz Gruppe) wird der viel gefeierte Rückgang der Pleiten in den letzten zwölf Monaten bereits im neuen Jahr wieder zum Stillstand kommen, die Zahl der Unternehmenszusammenbrüche sogar ansteigen, und zwar um 3,6 Prozent auf 40.000. Das wäre ein neuer Negativrekord !

Gründe sind das erhöhte Risikobewusstsein bei den Banken, welches eher negative Auswirkungen auf die mittelständische Wirtschaft haben werde. Darauf deutet beispielsweise die in Deutschland in den letzten Jahren stark eingeschränkte gewerbliche Kreditvergabe im Vorgriff auf Basel II hin: So sank das Volumen kurzfristiger Bankkredite an Unternehmen von gut 300 Milliarden Euro im Jahr 2001 auf rund 240 Milliarden Euro Ende 2004, also um durchschnittlich 8 Prozent jährlich. Das aber hat Folgen, so die Fachleute von Euler Hermes:


Sinkende Widerstandskraft unserer Firmen


„Bei mangelnder Liquiditätsversorgung und geringer Ausstattung mit Eigenkapital verlieren die Unternehmen zunehmend ihren Handlungsspielraum. Die Abhängigkeit von wenigen Auftraggebern und Banken nimmt zu, und die Widerstandskraft gegen Umsatzschwankungen, Auftragseinbußen oder Forderungsausfälle sinkt.“

Besonders gefährlich: Bei kurzfristigem Finanzierungsbedarf kleiner und mittlerer Unternehmen scheint damit eine verstärkte Inanspruchnahme von Lieferantenkrediten geradezu vorprogrammiert zu sein, zumal ein Ausgleich über das „Ventil“ Leasing und Factoring wegen der damit verbundenen Kosten begrenzt sei, warnen die Spezialisten. So beliefen sich die Lieferantenkredite 2004 auf eine geschätzte Summe von 270 Milliarden Euro, womit sie bereits stärker zur Unternehmensfinanzierung beitrugen als die gesamten kurzfristigen Bankkredite an Unternehmen.


Striktes Liquiditätsmanagement erforderlich


„In Verbindung mit einer nachlassenden Zahlungsmoral hat das ein steigendes Ausfallrisiko der Lieferanten zur Folge“ prognostizieren die Kenner von Lieferanten. Doch immer noch verfügt eine Mehrheit der Unternehmen in Deutschland nur über ein unzureichendes Debitoren- und Kreditmanagement, wie die Euler Hermes Kreditversicherung in einer repräsentativen Unternehmensbefragung festgestellt hat (Wirtschaft Konkret Nr. 406: In der Liquiditätsfalle). Einem professionellen Liquiditätsmanagement kommt daher immer größere Bedeutung zu:

„Ohne eine funktionsfähige innerbetriebliche Steuerung lassen sich bei steigendem Wettbewerbsdruck heute selbst kleine und mittlere Betriebe nicht mehr führen“.


Besorgniserregend ist die steigende Insolvenzquote


Interessanter als absolute sind auch hier relative Insolvenzzahlen. So liegt die „Insolvenzquote“, also das Verhältnis zwischen insolventen Firmen und bestehenden Unternehmen, derzeit bei 1,3 Prozent, bzw. bei 130 Pleiten je 10.000 Unternehmen. Für 2006 rechnet Euler Hermes sogar mit 137, die Quote erreicht dann fast 1,4 Prozent. Anfang der siebziger Jahre betrug sie dagegen nur 0,2 Prozent.

Die Insolvenzquote ist somit in den zurückliegenden Jahrzehnten „schubartig“ gestiegen, und zwar jeweils im Gefolge der drei Rezessionen in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren sowie der Wachstumsschwäche seit Beginn dieses Jahrzehnts. Allerdings bildete sich die Quote in den konjunkturell guten Jahren nicht genügend zurück, so dass jeweils die nächste Rezession von einem höheren Sockel aus begann. Eine wirkliche Erholung fand nur während der langjährigen Aufschwungphase in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre statt.

Trauriges Fazit der Kreditversicherer: „Langfristig nimmt die Insolvenzquote zu.“


Und immer mehr gute Firmen gehen pleite


Besorgniserregend ist zudem, dass immer mehr eigentlich gut aufgestellte („markterfahrene“) Unternehmen vom Pleitestrudel erfasst werden. So stieg deren Anteil von 20 Prozent Anfang der neunziger Jahre auf aktuell 30 Prozent, ein deutliches Indiz für die Verfestigung der Insolvenzanfälligkeit innerhalb der letzten zehn Jahren.


Trotz optimistischer Prognosen bleibt Skepsis


Derzeit macht sich große Hoffnung auf einen Aufschwung breit. Die Institute erhöhen diesmal – ganz anders als in den Vorjahren – ihre Wachstums-Prognosen. So scheinen derzeit zwei Prozent möglich. Doch die Verfasser der Pleitestudie bleiben skeptisch. Selbst eine konjunkturelle Belebung allein reicht bei nahezu unveränderten strukturellen Rahmenbedingungen ihrer Meinung nach nicht aus, um eine nachhaltige Umkehrung des Insolvenztrends zu bewirken.


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Quelle: Das Ende der Pleitewelle ?
Insolvenzprognose 2006 für Deutschland und die Industrieländer
Wirtschaft Konkret, Nr. 411, Euler Hermes Kreditversicherung (Allianz Gruppe)
www.eulerhermes.com

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