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10.03.2004 - Wirtschaftsprüfer müssen zukünftig stärker auf ihre Unabhängigkeit achten

Wirtschaftsprüfer müssen zukünftig stärker auf ihre Unabhängigkeit achten

Die gesetzlichen Anforderungen an Wirtschaftsprüfer beim Testat von Jahresabschlüssen werden schärfer. Vor allem auf ihre Neutralität und Unabhängigkeit kommt es an. Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, wird jetzt zur gesetzlichen Pflicht.

Die Bundesregierung macht ernst. Noch im Dezember des alten Jahres hat das Bundesministerium der Justiz einen umfangreichen Entwurf eines Bilanzrechtsreform-Gesetzes zur Fortentwicklung der Rechnungslegungsvorschriften sowie zur Qualitätssicherung in der Abschlussprüfung vorgelegt. Dieses BilReG geht auf eine entsprechende Initiative der EU in Sachen verbesserter Anlegerschutz zurück.

Insbesondere die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers steht im Mittelpunkt. Denn die Wirtschaftsskandale der letzten Jahre und die hier aufgefallenen Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung unterstreichen die große Bedeutung eines nicht nur fachlich kompetenten sondern vor allem den vielfältigen Unternehmensinteressen gegenüber absolut neutralen Prüfers. Dazu wird im HGB eigens ein neuer Paragraf 319a eingefügt.

Maßstab für Neutralität und Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers ist danach neben dem äußeren Erscheinungsbild auch seine innere Einstellung. Hierbei kommt es auf die Sichtweise eines verständigen und sachkundigen Dritten an.

Der testierende WP sollte insbesondere keinerlei finanzielle und geschäftliche Verbindungen bzw. Interessen zu Mandanten haben, deren Jahresabschlüsse er prüft. Ein enges Vertrauensverhältnis ist zwar im normalen Geschäftsleben nicht gleich von Übel, in diesem Fall wäre es aber sehr bedenklich. Der WP sollte auch keine sonstigen Beziehungen zum Mandanten haben bzw. früher gehabt haben, die seine strikte Neutralität beeinträchtigen könnten.


Erleichterungen und weniger Bürokratie für kleine Kapitalgesellschaften


In diesem Zusammenhang ist von großem Interesse, dass bei der Einstufung der Kapitalgesellschaften gemäß § 267 HGB zukünftig andere Schwellenwerte gelten. Die Stufenwerte zwischen kleinen, mittleren und großen Unternehmen werden um etwa ein Sechstel angehoben, die Kriterien sind Bilanzsumme und Umsatzerlöse.

Schon ab 2004 werden deshalb mehr Unternehmen in die Kategorie der kleinen und mittleren Gesellschaften fallen. Das bedeutet für diese Unternehmen Bürokratieabbau und weniger Kosten, weil sie z.B. keinen Lagebericht mehr erstellen müssen bzw. von der Pflicht befreit sind, ihren Abschluss vom WP testieren zu lassen. Siehe oben.

Was aber noch lange nicht heißt, dass der Jahresabschluss dann weniger sorgfältig erstellt sein sollte. Denn der Abschlussprüfer beurteilt ja nicht die Ertragslage des Unternehmens, sondern lediglich die Korrektheit der Darstellung hinsichtlich Satzung- und Gesetzmäßigkeit sowie die Übereinstimmung der Zahlen mit der Darstellung im Lagebericht.

Für jede Bilanz gelten daher nach wie vor die Grundsätze der Bilanzwahrheit und -klarheit. Es bleibt die primäre Aufgabe, ein ungeschöntes und realistisches Bild der Ertrags- und Vermögenslage des Unternehmens wiederzugeben.

Ob mit oder ohne Testat.

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Literaturtipp: „Verschärfte Unabhängigkeitsanforderungen an Abschlussprüfer, von Prof. Dr. M. A. Veltins, Frankfurt/Man, in: DER BETRIEB, Heft 9 vom 27.2.2004, Seite 445 – 450.

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