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01.02.2003 - Quartalsberichte führen in die Irre

Bereits im Mittelalter galt das Vierteilen als eine der brutalsten Todesarten. Ähnlich auf die Folter gespannt wähnen sich heute viele Unternehmer, wenn sie gleich vier mal im Jahr ihre Zahlen vorlegen müssen. Denn die mittlerweile fast schon obligatorische Veröffentlichung von Quartalsdaten hat zu einem gefährlichen Kurzfrist-Denken geführt.

Die Chefs müssen alle drei Monate die hohen Erwartungen erfüllen oder sie werden durch kräftige Kursverluste abgestraft. Für immer mehr Unternehmen wird dies zur Qual, weil es eine langfristige strategische Unternehmensführung erheblich erschwert. Kein Wunder, dass auf dem jüngsten Weltwirtschaftsgipfel in Davos die Diskussion über Sinn und Unsinn von Quartalsberichten voll entbrannt ist.

Kritik kommt inzwischen sogar von mächtigen Bankern. So bemängelte kein Geringerer als der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann:

„Quartalsberichte sind mit ein Grund für Fehlentscheidungen des Managements !“

Und ein Vorstand von Goldman Sachs empfiehlt den Analysten klipp und klar:

„Die besten Anleger investieren nicht auf Basis von Quartalszahlen sondern langfristiger Strategien.“

Die ungezügelte Datenflut der Quartalsberichte wird zunehmend zur Gefahr für die gesamte Wirtschaft.

„Es gibt Industrien, da grenzen Quartalszahlen fast schon an Schwachsinn. Denn sie zeichnen ein falsches Bild von der Lage des Unternehmens“ sagt ein Fondsmanager. Unternehmen aus Maschinenbau, Chemie oder selbst Banken könnten auf Grund von Auftragszyklen oder saisonalen Schwankungen nur sehr schwer auf Basis von Drei-Monats-Berichten sinnvoll agieren. Denn:

„Die Quartalszahlen setzen die Unternehmen aber unter enormen Erwartungsdruck.“

Um die Umsatz-Prognosen zu erreichen, buchen viele Chefs kurz vor Ablauf eines Quartals schnell noch ein Geschäft ein, selbst wenn dieses niedrige Deckungsbeiträge bringt und damit die Basis für eine baldige Schieflage des ganzen Unternehmens legt.

Gefahr droht wieder mal aus Brüssel. Die Bürokraten dort denken allen Ernstes darüber nach, Quartalsberichte in ganz Europa zur Pflicht zu machen. Dabei wäre es viel wichtiger, das betriebswirtschaftlich ohnehin oft noch unterentwickelte Langfrist-Denken zu fördern statt es zu behindern.

„Erfolgreichen Investoren ist es doch egal, ob der Quartalsgewinn nun einen Cent über oder unter den Erwartungen liegt“ bemerkt Thomas Meier von Union Investment.

Recht hat der Mann.

Machen Sie es wie Porsche-Chef Wiedeking. Der lehnt den ganzen Spuk ab, auch auf die Gefahr hin, aus der Champions- League rauszufliegen. Doch auch Porsche-Aktionäre sind nicht am VIP-Listing orientiert, sondern schlicht am Erfolg ihres Unternehmens.

(Quelle des Beitrags: Artikel von Holger Zschäpitz in der WELT vom 29.1.03, Finanzteil.)

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