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Geschäftsführer-Pflichten

20.06.2010 – Gericht: Geschäftsführer müssen ihre Bilanzen lesen können !

GmbH-Geschäftsführer und AG-Vorstände müssen zumindest über rudimentäre Kenntnisse von Bilanzen und Rechnungswesen verfügen. Der Verweis auf den Steuerberater genügt nicht. Dies ergibt sich aus dem Kontext einer wichtigen Gerichtsentscheidung.

Eine GmbH-Geschäftsführerin blitzte bei Gericht mit der Behauptung ab, sie habe sich nur für das „Ergebnis“ ihrer Bilanz interessiert, nicht mehr. Sie könne einen Jahresabschluss weder lesen noch verstehen. Sie habe sich hier ausschließlich auf ihren Steuerberater verlassen.

Dieses Verhalten rügten die Richter des OLG Schleswig. In ihrem Urteil vom 11.2.2010 (5 U 60/09) sagten die Richter, ein solches Verhalten sei zur Erfüllung der einem Geschäftsführer einer Gesellschaft auferlegten Pflichten unzureichend. Ganz besonders gilt dies, wenn sich die Gesellschaft in einer Krise befindet.

 

Mehr noch: Ein GmbH-Geschäftsführer muss sich bereits bei Übernahme dieses Amtes zunächst selber die notwendigen steuerlichen und handelsrechtlichen Kenntnisse verschaffen und entsprechende Informationen einholen. Die Delegation entsprechender Aufgaben an einen Steuerberater befreit den Geschäftsführer nicht von den entsprechenden Pflichten seines Amtes. Für den vom Steuerberater erstellten Jahresabschluss gilt, dass der Geschäftsführer diesen „zumindest einer gewissen Plausibilitätsprüfung unterzieht“, so die Schleswiger Richter weiter.

 

Diese Entscheidung des OLG dürfte auch beim BGH Bestand haben, zumal sie ganz im Sinn des obersten Gerichtes liegt. So hatte der BGH bereits im Jahr 2007 geurteilt, dass ein Geschäftsführer bzw. Vorstand die von einem eigens beauftragten Berater erstellte Krisendiagnostik, die meist darin gipfelt, ob Insolvenzantrag zu stellen ist oder nicht, einer eigenen Plausibilitätskontrolle zu unterziehen hat.

 

Die Ausrede eines Geschäftsführers, „ich habe das alles nicht verstanden und kann ohnehin keine Bilanz lesen“, lässt die Justiz so nicht mehr durchgehen, wenn es für ein Unternehmen brenzlig wird.

 

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