Home | Kontakt | Seite merken | Sonntag, 23. Juli 2017
SU-Consulting.de » Uhlig aktuell » Eigenkapitalrendite
Eigenkapitalrendite

5.2.2010 - Eigenkapitalrendite ?– Nein Danke !

 

Spätestens seit Deutsche Bank Chef Josef Ackermann eine 25%-ige Eigenkapitalrendite zu seinem Leitbild machte, wird über diese Kennzahl leidenschaftlich diskutiert. Dabei ist die Eigenkapitalrendite per se eine höchst problematische Größe, wie die Deutsche Bundesbank jüngst ausführlich erläuterte.

 

In ihrem Monatsbericht von Januar 2010 analysieren deren Volkswirte die Kennzahl Eigenkapitalrendite äußerst kritisch und begründen, warum die Bundesbank in ihren Veröffentlichungen darauf verzichtet, derartige Quoten zu berechnen und zu veröffentlichen.

 

Zunächst zur Definition. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern errechnet sich dadurch, dass der Jahresüberschuss vor Steuern auf das bilanziell ausgewiesene Eigenkapital bezogen wird. (Die Nettokapitalrendite geht vom Ergebnis nach Steuern aus).

 

Beispiel: Die Firma Müller erzielt einen Gewinn vor Steuern von 200.000,- Euro, ihr in der Bilanz ausgewiesenes Eigenkapital beträgt 500.000,- Euro. Somit ergibt sich eine EK-Rendite von 200/500 gleich 40,0 Prozent.

 

Nicht schlecht, werden jetzt viele sagen. Doch ohne nähere Informationen z.B. über Rechtsform und stille Reserven der Firma ist die Prozentzahl ohne jegliche Aussagekraft. Ist Müller z.B. eine Personengesellschaft, wie das Gros der mittelständischen Unternehmen, muss der Gewinn von TDE 200 noch um den Unternehmerlohn korrigiert werden, da dieser bei Kapitalgesellschaften bereits in den Personalkosten enthalten. Genehmigt sich Herr Müller z.B. per annum TDE 100 als Entlohnung für seine Geschäftsführertätigkeit, so sinkt seine EK-Rendite um die Hälfte auf 20 Prozent.

 

Mit diesem Ergebnis holt Herr Müller heute bei keiner Bank mehr den Vorstand vom Hocker. Da hilft ihm sein schlauer Berater mit etwas Bilanzkosmetik aus der Patsche. So sollen seine Aktiva, vor allem sein Betriebsgrundstück, viel wertvoller sein als in der Bilanz ausgewiesen. Dort steht das Grundstück mit TDE 1.000, laut aktuellen Maklerauskünften ist es jedoch mindestens das Doppelte wert. So deckt Herr Müller stille Reserven von TDE 1.000 auf, was zur Folge hat, dass jetzt seine Bilanzsumme entsprechend größer wird. Bei gleich bleibenden Fremdverbindlichkeiten erhöht sich somit automatisch das Eigenkapital, was der Bank gefallen mag, allerdings wird – bei unterstellt unverändertem Gewinn - die EK-Rendite dadurch kleiner.

 

Apropos Bank. Viele Mittelständler, insbesondere Familienunternehmen, geben ihrem Geldinstitut private Sicherheiten für betrieblich ausgereichte Darlehen. Berücksichtigt man diesen Haftungsaspekt, ändert sich natürlich auch die EK-Rendite. Fällt das so ermittelte reale haftende Kapital z.B. höher aus als das bilanzierte, geht dies – bei sonst unveränderten Daten - zu Lasten des nominellen Eigenkapitals. Dieses fällt, die Rendite steigt. Ähnliche Effekte können sich dadurch ergeben, dass die abzugsfähigen Sollzinsen Anreize bieten, eigentlich private Kredite in die betriebliche Sphäre zu verlagern, was das betriebliche Bilanzbild verfälscht, weil das Eigenkapital aufgrund des künstlich größeren Fremdkapitals kleiner wird und auch hier jetzt die EK-Rendite ansteigt. Allerdings müsste man dann stets auch den durch den höheren Zins reduzierten Gewinn in die Analyse mit einbeziehen. So kann sich bei entsprechend hoher Zinsbelastung der Gewinn soweit reduzieren, dass plötzlich die EK-Rendite fällt. Anhand der einfachen Formel der EK-Rendite lassen sich die Effekte leicht ausrechnen. Viele Finanzinvestoren („Heuschrecken“) beherrschen dieses Spiel aus dem Effeff.

 

Müller ist zudem typisch für viele kleinere mittelständische Firmen, deren nominelles Eigenkapital nicht gerade üppig ist. Fällt der Gewinn einmal höher aus, wie z.B. in den beiden letzten Jahren vor der großen Krise, kann die rechnerische EK-Rendite schnell extrem hochschnellen, z.B. über 100 Prozent. Das liegt an der starken Hebelwirkung der unterlegten Rechenformel. So finden sich laut Bundesbank z.B. ausgerechnet in Einzelhandelsunternehmen mit weniger als 2 Mio. Euro Umsatz (!) EK-Renditen von bis zu 130 Prozent! Muss es denen aber gut gehen, könnte man da denken. Da sieht ja selbst Herr Ackermann ganz alt aus. Die umsatzstärkeren Einzelhändler müssen sich dagegen mit durchschnittlich „nur“ 40 Prozent EK-Rendite begnügen. Wirtschaften die wirklich so viel schlechter als ihre kleinen Kollegen (Tante-Emma-Läden) ? Die beiden ALDI-Brüder können da nur schmunzeln …

 

Auch in anderen Branchen ergeben sich bei dieser Kennziffer im Schnitt riesige Bandbreiten zwischen 20 und 60 Prozent. Bei keiner anderen vergleichbaren betriebswirtschaftlichen Kennzahl treten derart hohe Abweichungen auf (immer durchschnittlich gerechnet). Selbst wenn man nur Kapitalgesellschaften miteinander vergleicht, ist die Streubreite sehr hoch, für eine sinnvolle Interpretation der Ergebnisse viel zu hoch.

 

Aus analytischer Sicht ergeben sich daher beim vorschnellen Bewerten der Eigenkapitalrendite völlig aberwitzige Erkenntnisse. Auch die hohe Volatilität dieser Kennziffer sollte ähnliche Vorsicht walten lassen wie beim benachbarten Begriff der Eigenkapitalquote, auch eine zutiefst schillernde Kennziffer. (Vgl. hierzu bei „Uhlig aktuell“ den Eintrag vom 28.01.2006. Geben Sie „negatives Eigenkapital“ in die Suchmaske ein.)

   

Literaturempfehlung:  Zur Problematik aggregierter Eigenkapitalrenditen deutscher Unternehmen, in: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Januar 2010, Nr. 1, Seite 21f.

Schnell, unverbindlich und kostenlos - Frage an S. Uhlig - Consulting Diese Seite ausdrucken Empfehlen Sie diesen Beitrag von  S. Uhlig - Consulting an Freunde und Bekannte weiter
Internetagentur posmedia  |  Webdesign Info