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3.3.2008 - Finanzinvestoren: >>Es herrscht Krieg in Berlin<<

Nach dem Fall Grohe droht Finanzinvestoren ein neuer PR-Gau. Der britischen Investor Montgomery scheint am Spagat zwischen Finanz- und Medienmarkt zu scheitern. Seine Redaktionen wehren sich gegen die verordneten Sparorgien.

Laut Online-Bericht der Financial Times Deutschland (www.ftd.de) vom 3.3.2008 scheint sich wieder ein besonders negatives Investment-Beispiel von Finanzinvestoren in Deutschland zu entwickeln. Und das ausgerechnet in der hochsensiblen Medienbranche. Die FTD spricht von „Krieg“, denn die "Berliner Zeitung" erlebe einen Massenexodus.

Da versucht die Branche nun seit Monaten intensiv, durch gezielte Studien (wissenschaftlich nicht immer das Gelbe vom Ei) und PR-Kampagnen den Eindruck zu erwecken, die Aktivitäten von Finanzinvestoren würden überwiegend volkswirtschaftlich positive Ergebnisse zeitigen, da beweist das Beispiel der „Berliner Zeitung“, dass das Heuschrecken-Image wohl doch nicht so schnell abgelegt werden kann.

Laut FTD sind die Fronten derart verhärtet, dass David Montgomery persönlich in Berlin erwartet wird, der Vorstandschef der britischen Investorengruppe Mecom, die den Verlag im Herbst 2005 übernommen hatte.

„Der Druck auf den 59-jährigen Unternehmer wächst. Ende Januar notierte die Aktie seines Konzerns - der insgesamt mehr als 100 Titel mit einer täglichen Gesamtauflage von rund 18 Millionen Stück herausgibt - auf dem tiefsten Stand seit dem Börsengang im März 2005. Auch am Freitag lag der Kurs mit 26 Pence nur wenig höher. Analysten fürchten steigende Finanzierungskosten und Abschreibungen; vergangene Woche ersetzte Montgomery den bisherigen Finanzchef Keith Allen durch John Allwood, bislang eine Führungsebene tiefer. Während die Anleger in London nach Rendite lechzen, rebellieren die Mitarbeiter immer lauter. >>Hier prallen zwei Geschäftsmodelle aufeinander, die nicht zueinander passen<<, fasst Martin Dieckmann, medienpolitischer Referent bei der Gewerkschaft Verdi, zusammen“ so die FTD und führt weiter aus:

„Mecoms bisherige Strategie zielt vor allem darauf ab, Kosten zu senken. Bei der Berliner Zeitung ächzen die Mitarbeiter jedoch schon jetzt - und fürchten um die Qualität ihrer Arbeit. Den eigenen Onlineauftritt empfinden die Journalisten als "peinlich". Das Redaktionssystem müsste dringend erneuert werden, klagt ein Mitarbeiter. Zudem seien nach den zahlreichen Weggängen der vergangenen Monate viele Stellen unbesetzt geblieben. Erst am Freitag hatte der Vize-Geschäftsführer Phillipp Froben gekündigt. "Wir werden ausgequetscht wie eine Zitrone", sagt die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch - und verweist darauf, dass die Eigenkapitalquote des Verlags 2006 auf 1,5 Prozent eingebrochen ist, nach 16 Prozent im Jahr zuvor.“ (FTD, 3.3.2008)

Weltweit ein Problem: Wer finanziert guten Journalismus ?

Guter Journalismus, der für das Funktionieren einer Demokratie von herausragender Bedeutung ist, und reines Profitdenken der Medieneigentümer schließen sich offensichtlich gegenseitig aus. Das gilt übrigens nicht nur in Berlin sondern auch in Frankreich und selbst in den USA. Dort spielen sich aktuell bei renommierten Zeitungen ähnlich gelagerte Fälle ab.

Man darf gespannt sein, wie die deutsche Beteiligungsbranche darauf reagieren wird. Gegenwärtig scheint diese hierzulande besonders darauf bedacht zu sein, ähnliche Steuervorteile zu erhalten wie in anderen Ländern, insbesondere im angelsächsischen Raum. Andernfalls, so drohen deutsche Verbandsvertreter, „wandern wir aus“.

Die Redakteure der Berliner Zeitung dürften da wohl nicht lange trauern. Doch objektiv gesehen wäre das für den Standort Deutschland nachteilig, denn neben solch krassen Negativ-Fällen gibt es Beispiele für erfolgreiches Engagement insbesondere von Private Equity im Mittelstand, wobei „erfolgreich“ nicht nur für die Shareholder allein sondern für alle Stakeholder gemeint ist.

Die Branche muss selbstkritischer werden

Vielleicht sollte die Branche der Finanzinvestoren bei ihren Strategien eine Art Qualitätsaudit durchführen und sich dann daran messen lassen. Dann täte sich auch der Finanzminister leichter, Steuerbenachteiligungen zu korrigieren.

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