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22.01.2008 - Börsencrash: Die Ökonomie lässt sich nicht austricksen

Panikstimmung und unsinnige Kommentare sind derzeit an der Tagesordnung. So heißt es z.B., allein am gestrigen Montag und am Dienstag (der DAX stand bei 6440 – etwa so hoch wie Ende 2006) seien hierzulande über 100 Milliarden Wert „vernichtet“ worden. Um so viel sei die Marktkapitalisierung der 30 DAX-Unternehmen zurückgegangen. Das ist blanker Unsinn, denn der höhere Wert ein Tag zuvor – bzw. der Höchststand am 31.12.2007 – war ein rein fiktiver, spekulativer Wert, der durch wirtschaftliche Fundamentaldaten mitnichten gedeckt war. So hat sich der DAX seit 2002 vervierfacht (!), die volkswirtschaftliche Gesamtleistung hingegen stieg in dieser Zeitspanne nur um einige Punkte. Was zwischen diesen beiden Steigerungsraten liegt, ist überwiegend reine Spekulation (vgl. nur den Börsenbegriff „Jahresendrally“) und musste zwangsläufig eines Tages von der Realität und von funktionierenden Marktmechanismen wieder korrigiert werden. Realistisch wird der DAX – und andere Bösenindices – mittel- und langfristig nur um einige wenige Prozentpunkte über der Rendite anderer Anlagen liegen, sonst würden diese verkümmern und aussterben (mit verheerenden volkswirtschaftlichen Folgen). Die Differenz ist rein im zusätzlichen Risiko der Börsenzocker begründet.

Ist die leidige Managergehälter-Debatte schon vergessen ? Neben den ethischen Aspekten der hohen Steigerungen bei den Gehältern sind hier auch rein ökonomische Gründe bedenklich. Denn diese Manager verstehen unter „Leistung“ – mit der sie ihre exorbitant hohen Gehaltssteigerungen rechtfertigen – fast ausschließlich eine höhere Marktkapitalisierung ihrer Unternehmen. Und die ist jedoch höchst fragil, siehe gestern! (Ketzerische Frage: Zahlt einer der Manager jetzt Gehälter zurück ?)

Noch ein Aspekt ist grundfalsch an der aktuellen Debatte. Unisono wird den Amerikanern und ihrer irrwitzigen Hypothekenfinanzierung die Schuld an unserer deutschen Misere gegeben. Das passt gut ins aktuelle Bild des politisch korrekten Antiamerikanismus und findet daher entsprechenden Beifall. Nur, mit Verlaub, was haben z.B. die deutsche rein mittelstandsorientierte IKB und die eigentlich lokal ausgerichteten Sachsen-LB und West-LB (alle drei vom Steuerzahler abgesichert) in den USA und hier speziell in höchst spekulativen Geschäften verloren ?

Spätestens seit gestern (West-LB-Krise mit zwei Milliarden Kapital-Nachschuss) ist klar, dass die Landesbanken hierzulande ihre Daseinsberechtigung endgültig verloren haben. (Bei einer Zinsmarge von im Schnitt einem Prozent müssten allein zwei hundert (!!) Milliarden Kreditneugeschäft generiert werden, um allein diesen Nachschuss wirtschaftlich zu vertreten. Das ist genauso irrwitzig wie die US-Hypothekenfinanzierung). Die Politik sollte schnellstmöglich die Konsequenzen ziehen, anstatt weiterhin öffentliche Milliarden zu versenken, die an anderer Stelle (Schulen, Bildung) viel besser angelegt wären.

Beklagt werden mögliche Auswirkungen des Börsencrashs auf die Finanzierung insbesondere unserer kleinen mittelständischen Betriebe. Die Banken würden jetzt versuchen, ihre Verluste durch höhere Zinsen bei der Firmenkreditvergabe wieder hereinzuholen. Auch das ist Unsinn. Gott sei Dank haben wir derzeit relativ intensiven Wettbewerb im Bankgewerbe, auch durch den Markteintritt ausländischer Anbieter. Und die Finanzierung des Mittelstands kann für die Banken durchaus ein Geschäft sein. Die Zinsen jedoch werden allein vom Markt reguliert, und derzeit sprechen hier keine Gründe für höhere Zinsen. Crash hin oder her. Die Geldinstitute, die sich verzockt haben, gehören eigentlich weg vom Fenster. Das wäre Marktwirtschaft pur. Auf keinen Fall darf hier der Staat helfend unter die Arme greifen und Geld der Steuerzahler verpulvern.

Zu denken gibt in dem Zusammenhang ein anderer Aspekt. Leider geben wir unser gutes altes HGB immer mehr auf und setzen dafür zunehmend die internationalen Rechnungsregeln, (insbesondere die IFRS) ein. Das HGB hatte primär kaufmännische Vorsicht im Fokus, die IFRS fördern hingegen die Volatilität der Finanzmärkte eher noch.

Offensichtlich ist dies jedoch von den Verantwortlichen so gewollt.

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