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14.07.2008 - Solvenz-Test: Wie liquide ist mein Unternehmen ?

Geschäftsführer und Vorstände werden zukünftig einen speziellen zukunftsorientierten Liquiditäts-Test machen, bevor sie größere Ausgaben tätigen. Das gebietet die kaufmännische Sorgfaltspflicht.

Hintergrund ist die internationale Rechnungslegung IFRS, deren Anwendung dazu führen kann, dass höhere Gewinne als bei HGB-Bilanzierung ausgewiesen werden. Gewinne wecken jedoch Begehrlichkeiten bei Anteilseignen. Um nun zu verhindern, dass durch eine zu hohe Gewinn-Ausschüttung die Substanz des Unternehmens (Kapitalerhaltung) gefährdet wird, ist für IFRS-anwendende Gesellschaften ein liquiditätsorientierter Solvenz-Test (engl. solvency test) vorgesehen, mit dem vor (!) der geplanten Ausschüttung geprüft wird, ob durch die beabsichtigte Auszahlung eine Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens eintreten bzw. drohen kann. Eine Ausschüttung wäre dann nicht mehr erlaubt, wenn sie zur Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft führt.


Prüfen, wie es dem Unternehmen wirklich geht

Geprüft bzw. getestet wird also, ob die Kapitalgesellschaft (AG, GmbH) trotz der geplanten Ausschüttung für einen künftigen Zeitraum von 1 bis 2 Jahren über ausreichende liquide Mittel verfügt, um unter der Prämisse der Unternehmensfortführung (going concern) ihren laufenden Zahlungsverpflichtungen bei Fälligkeit stets nachkommen zu können. Hinter all diesen Überlegungen steht der hierzulande durch die Kapitalerhaltungsnormen besonders hochgehaltene Gläubigerschutz, den Kritiker durch die Hinwendung zur Rechnungslegung nach IAS/IFRS jedoch zunehmend „ausgehöhlt“ sehen.

Ein Solvency Test ist in den USA bereits ein gebräuchliches Verfahren zur Bestätigung der Rechtmäßigkeit der Ausschüttung. Daneben wird er insbesondere seit Basel II in der Versicherungswirtschaft eingesetzt, um die Fähigkeit eines Versicherungsunternehmens zu beurteilen, die eingegangenen Risiken tragen zu können. Mithin wird die Risikofähigkeit eines Versicherungsunternehmens ermittelt.

Zwar ist ein Solvenz-Test derzeit nur für IFRS-Anwender als sog. „Ausschüttungssperre“ angedacht, doch gibt es Signale, die darauf hindeuten, dass dieses Instrumentarium in Zukunft generell für alle Kapitalgesellschaften Bedeutung haben wird. Und dann nicht nur für beabsichtigte Gewinnausschüttungen, sondern z.B. bereits vor Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen. Wer als Geschäftsführer oder Vorstand seine kaufmännische Sorgfaltspflicht (vgl. § 347 HGB) ernst nimmt, wendet einen Solvenz-Test bereits heute schon an, wenn größere Ausgaben anstehen. Zudem ist zu erwarten, dass auch die deutsche Rechtsprechung, die den Gläubigerschutz besonders intoniert, die Auslegung des Begriffs „kaufmännische Sorgfaltspflicht“ in diese Richtung hin erweitern dürfte.


Zwei Bausteine eines Solvenz-Tests (solvent = zahlungsfähig)


Es gibt zwar (noch) kein einheitliches Verfahren, im Regelfall werden jedoch sowohl die statische wie die dynamische Liquiditätslage geprüft.

1) Bei der statischen Liquiditätsprüfung („Liquiditätsbilanz“) werden zum aktuellen Stichtag alle fälligen Zahlungsverpflichtungen (Abgänge) den kurzfristig erwarteten Zahlungseingängen incl. der vorhandenen liquiden Mittel gegenübergestellt. Die Liquiditätsbilanz ist auch Maßstab für die Beurteilung der Zahlungsfähigkeit nach BGH.

2) Bei der dynamischen Liquiditätsprüfung handelt es sich um einen Liquiditätsplan für die nächsten 12 bis 24 Monate (mindestens laufendes Jahr plus ein volles Folgejahr). Hier sind nach kaufmännischer Vorsicht alle in diesem Zeitraum fälligen Zahlungsverpflichtungen monatlich anzusetzen. Bei den Zahlungseingängen (im Wesentlichen die Umsätze) sind hingegen nur Eingänge zu berücksichtigen, die als überwiegend wahrscheinlich bzw. hinreichend sicher gelten. Achtung: G+V bzw. BWA sind hier nicht maßgebend, es kommt wirklich auf den realen Geldfluss an. Der Begriff „Cashflow“ ist ganz wörtlich zu nehmen. Hier spielt z.B. auch die Umsatzsteuer eine wichtige Rolle!

Solch eine „Prospektive Finanzplanung“ wird jedoch auch kritisch beäugt, weil sie als „unpräzise“ Regelung (imprecise standard) gilt, die rein auf Prognoseinformationen beruht. Um sich nicht gleich dem Verdacht der „geschönten Zahlen“ auszusetzen, sollte der Liquidtäts-Plan daher mit einer gehörigen Portion Vorsicht und Zurückhaltung angegangen werden. Möglichst viele Fakten (z.B. Auftragsbestandslisten bzw. Projektpläne) sollten die Zahlen plausibilisieren.


Wichtig für Überschuldungsprüfung und Rating

Ein Solvenz-Test ist natürlich auch in kritischen Phasen durchzuführen. Neben der Beurteilung der Zahlungsfähigkeit ist das Ergebnis auch für Ihre Überschuldungsprüfung von Bedeutung. Denn diese hängt davon ab, welchen Bewertungsansatz Sie verwenden dürfen (Fortführung oder Zerschlagung). Ist Ihr Unternehmen zahlungsfähig, können Sie im Regelfall Fortführungswerte ansetzen und vermeiden dann oft eine insolvenzrechtliche Überschuldung.

Die Installation eines Solvenz-Tests können Sie auch in Ihrem Bilanzbericht erwähnen, um Ihr Rating bei den Banken zu verbessern. Das Ergebnis des Tests selbst bleibt aber vertraulich und wird nicht veröffentlicht.

Wie Sie in der Praxis einen solchen Solvenz-Test einfach am PC selbst durchführen können, erfahren Sie in dem Ein-Tages-Seminar „Die G+V-vernetzte Liquiditäts- und Finanzplanung“ (Termine und Beschreibung hier unter „Seminare“).

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