Home | Kontakt | Seite merken | Freitag, 22. September 2017
SU-Consulting.de » Uhlig aktuell » 1.10.2006 – Die gute alte „Hausbank“ stirbt aus
1.10.2006 – Die gute alte „Hausbank“ stirbt aus

Eine Ära geht zu Ende. Das trotz gelegentlicher Störungen jahrzehntelang bewährte Treue-Verhältnis eines Unternehmens zu seiner Hausbank und umgekehrt wird es so nicht mehr geben. Das Verhalten der Banken hat sich radikal gewandelt.

Nicht nur im privaten Bereich wächst die Zahl der Scheidungen. Auch das Verhältnis von Bank zu Firmenkunde wird immer schneller sofort beendet, wenn erste Krisensymptome auftreten. Eine Hausbank alter Prägung hielt auch an problematischen Krediten zunächst fest und versuchte meist, im Einvernehmen mit dem Kunden, die Sache bestmöglich zu regeln, notfalls auch längere Durststrecken gemeinsam durchzustehen. Das ist vorbei. Heute kündigen immer mehr Geldhäuser das alte Treueverhältnis, wenn der Kunde mit dem Zahlen von Tilgung und Zinsen in Verzug gerät. Da kann ein Unternehmen zwanzig Jahre mit seiner Hausbank eine gute Finanzierungs-Ehe geführt haben, romantische Reminiszenzen haben im Zeitalter der Internationalisierung der Finanzmärkte mit ihrem Shareholder-Value-Diktat keine Daseinsberechtigung mehr.


Geheime Listen mit „schwächelnden“ Unternehmen


Über Nacht kann es dem Unternehmen passieren, dass es ab sofort mit ihm bisher völlig unbekannten Finanzleuten zu tun hat. Seine alte Hausbank hat nämlich die „schwächelnden Kredite“ – so nennen Banker Kredite bereits dann, wenn sie nicht mehr an ihre fristgerechte Rückzahlung glauben bzw. an der Bonität auch nur zweifeln – an spezielle Aufkäufer übertragen, mit einem entsprechenden Rabatt versteht sich. Nach einem Bericht der „WirtschaftsWoche“ (Nr. 38/ 18.09.2006) zirkulieren in der Finanzwelt „streng geheime Listen“, auf denen sich die Namen von Unternehmen befinden, die solch schwächelnde Kredite (noch) bedienen und zum Kauf anstehen. (Wäre interessant zu wissen, was Datenschützer dazu sagen!)

Der Markt für solche Problemkredite scheint lukrativ, hier tummeln sich neben Investmentbanken wie Deutsche Bank vor allem auch Hedge Fonds und spezielle Finanzinvestoren. Die Abschläge bzw. Rabatte richten sich nach der Einstufung der Problemkredite. So werden laut WirtschaftsWoche bei noch harmlosen Fällen fünf Prozent Rabatt vom Nennwert fällig, bei „stressigen“ Engagements sind das dann schnell zehn Prozent, größere Abschläge betreffen dann die „distressed“ (echt notleidende) Kreditengagements, die in Extremfällen mit bis zu 50 Prozent Abschlag gehandelt werden. Das Geschäftsvolumen für solch schwächelnde Kredite wird europaweit bis zu mehreren hundert Milliarden Euro geschätzt. Manche Spezialisten verdienen sich da eine goldene Nase, andere haben sich bei diesem Monopoly aber auch schon mal eine blutige geholt.

Betroffene Unternehmen sollten sich warm anziehen. Denn in die Kreditgespräche „kommt dann ein ganz anderer Druck, wenn Finanzinvestoren mit am Tisch sitzen“ zitiert die WirtschaftsWoche einen renommierten Anwalt. Nicht selten wird das Unternehmen nur dadurch entschuldet, dass die neuen Geldgeber die Schulden in Eigenkapital umwandeln. De facto sind dann die Alteigentümer, oft die alte Besitzer-Familie, weg vom Fenster. Die neuen Besitzer haben meist jedoch an einem langfristigem Engagement gar kein Interesse, sondern verhökern das Unternehmen nach einer Pseudo-Sanierung (im Regelfall mit größerem Personalabbau) meist an den nächst Bietenden.


Kritik am Bankenverhalten zwecklos, professionelles Handeln ist angesagt


Dieses neue Verhalten der Banken lässt sich zwar kritisch hinterfragen. Doch bringt das den Betroffenen so gut wie nichts, da die alten Zeiten nicht mehr zurückkehren. Ohnehin sind die Geldhäuser in diesem Spiel eher selbst Getriebene denn Handelnde. Das knallharte angelsächsische Verständnis der Kreditvergabe hat dem guten alten deutschen Konsensdenken endgültig den Garaus gemacht. Viele Banker räumen zwar unter vier Augen ein, dass sie die Entwicklung bedauern, aber nicht anders handeln können. Noch sind insbesondere nicht alle Sparkassen und Genossenschaftsbanken auf dem neuen Zug, aber das kann sich schnell ändern. Denn die Landesbanken stehen den großen Privat-Instituten hier in nichts nach.


Hier zehn Verhaltens-Tipps für Unternehmer von Dipl.Volksw. Stefan Uhlig (su-consulting.de):

1. Nabeln Sie sich bereits mittelfristig vom übermäßigen Bankeneinfluss ab. Die Banken sollten nicht mehr als 50 Prozent Ihrer Passiva beherrschen. Nutzen Sie verstärkt alternative Finanzierungen wie z.B. Mitarbeiter- und Kunden-Darlehen.
2. Setzen Sie nicht nur auf eine Bank. Nehmen Sie eine zweite und dritte mit ins Boot.
3. Stärken Sie Ihre Eigenkapitalbasis, belassen Sie Gewinne im Unternehmen. Steuerliche Aspekte sind hier nachrangig.
4. Ändern Sie Ihr Verhalten Banken gegenüber. Betreiben Sie eine zwar offene aber nüchterne Kommunikation. Informieren Sie die Banken betont sachlich und ausreichend über Ihren Geschäftsverlauf, stehen Sie mündlichen Äußerungen der Banker eher skeptisch gegenüber und vertrauen Sie nur schriftlichen Kreditbestätigungen mit detaillierten Zins- und Tilgungsplänen. Achten Sie auch auf das Kleingedruckte, insbesondere auf die Verkaufsklauseln der Kredite.
5. Führen Sie in Ihrem Unternehmen ein konsequentes Liquiditätsmanagement ein, mit laufend aktualisiertem Liquiditätsplan und ständiger Überprüfung Ihrer statischen Liquiditätslage. Beachten Sie hier das wichtige BGH-Urteil von 2005 zur Zahlungsfähigkeit. (Tipp: Klicken Sie hier bei su-consulting.de links auf „Seminare“!)
6. Stellen Sie sicher, dass der vereinbarte Kapitaldienst, also Zinsen und Tilgung, auch in liquiditätsmäßig schwachen Zeiten aufrechterhalten wird.
7. Vermeiden Sie jegliche Überziehungen Ihrer Kontokorrent-Konten bei allen Instituten.
8. Fragen Sie regelmäßig Ihre Bonitätseinschätzung bei Schufa (geht jetzt auch online), Creditreform und anderen Instituten ab. Verbessern Sie diese notfalls umgehend.
9. Räumen Sie der Aufgabe Finanzierung Ihres Unternehmens grundsätzlich erste Priorität ein. Mode-Themen wie Strategie und Führung sind zwar auch wichtig, helfen Ihnen aber bei kritischen Finanzierungssituationen so gut wie nicht.
10. Ruhen Sie sich in finanziell guten Zeiten nicht aus. Bunkern Sie Reserven für schlechte Zeiten.

Schnell, unverbindlich und kostenlos - Frage an S. Uhlig - Consulting Diese Seite ausdrucken Empfehlen Sie diesen Beitrag von  S. Uhlig - Consulting an Freunde und Bekannte weiter
Internetagentur posmedia  |  Webdesign Info